Unsere Leitbild

Stand Januar 2024

Jeder Mensch verdient es, in seiner Individualität geachtet und mit seinen Leistungen gewürdigt zu werden. Entsprechend werden (gerade) Jugendliche und junge Erwachsene gern gesehen, die es in Schule, Familie und Gesellschaft schwer haben, sich auszuprobieren, sich auszutauschen und Erfolge mit anderen zu teilen wollen. Wichtig ist uns, immer eine wertschätzende Atmosphäre mit gegenseitigem Respekt herzustellen. Anliegen des Vereines ist es auch, ohne hohen materiellen Aufwand, gemeinsam mit den Besuchern ein greifbares Ergebnis zu schaffen und damit eine Möglichkeit zu eröffnen, durch aktives und konstruktives Gestalten Erfolge zu erleben. Der Verein schafft einen Schutzraum, der wenig beeinflussenden (Digitalen Medien-) Konsum vorhält und dadurch Raum für Austausch und Kreativität bietet. Woran sich die Jugendlichen ausprobieren möchten, darüber wird kommuniziert. Aktive Teilhabe beginnt mit der Planung von Angeboten und Projekten und mündet teils in jahrelanger Partnerschaft im Ehrenamt. Mädchen/ Jungen und auch queere Personen erleben sich als aktive Gestalter und werden weder wegen ihres Erscheinungsbildes, ihres Geschlechtes, ihres Bildungsstandes, ihres finanziellen Hintergrundes noch ihrer Herkunft beurteilt oder ausgeschlossen. Ebenso bietet der Verein Eltern die Möglichkeit zu wertfreier Beratung, lebenspraktischen Hilfen oder die Vermittlung an andere Professionen entsprechend individueller Bedarfe. Der Verein fühlt sich dem Gedanken von Selbstverwirklichung und offenem Gedankenaustausch in der christlich-humanistischen Tradition verpflichtet. Er macht es sich zur Aufgabe, Kinder, Jugendliche und Eltern zu begleiten und qualifizierte Ansprechpartner vorzuhalten. Als Arbeitsgrundlage wird eine ressourcenorientierte und wertschätzende Haltung der Mitarbeiter*innen erwartet und gelebt. Es werden Projekte durchgeführt, die keine rassistischen und sexistischen Inhalte verfolgen oder Persönlichkeitsrechte untergraben. Entsprechend fühlt sich der Träger dem Schutzauftrag für Kinder und Jugendliche, gemäß § 8a und § 72a SGB VIII verpflichtet. Kreativität, Pluralismus und Partizipation werden gefördert und sind ausdrücklich erwünscht. Die Angestellten und die ehrenamtlichen Helfer*innen verstehen sich als Begleiter von jungen Menschen in Lebenslagen und Lebensaltern, die von ihnen und ihren Bezugspersonen als problematisch empfunden werden.

Grundsatz ist dabei:

Der Lebens- und Sozialisationsraum Landkreis Görlitz stärkt die selbstbestimmte Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Familien. Mütter und Väter sollen mit ihren Kindern Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft in der Region übernehmen und sich dadurch mit ihrer Heimat identifizieren. Sie nutzen die Möglichkeit, den Grenzraum im Sinne einer offenen europäischen Gesellschaft zu gestalten. Träger der Jugendhilfe unterstützen dazu aktiv die Gemeinwesenarbeit im Landkreis und schafften Kindern, Jugendlichen und deren Familien einen Raum für Verständigung und Austausch. Sie erleben vorbildhaft, wie Jede(r) Einfluss auf Angebote nehmen kann, um gemeinsam einen Lebensraum zu gestalten, der Offenheit und Toleranz zulässt. Dieser gemeinsame Ort bietet auch Raum für Erlebnisse und Austausch mit Menschen aus anderen Regionen oder Staaten. Interreg-Programme (Euroregion- Neisse) werden zur Unterstützung von Demokratie Bildungsangeboten genutzt. Familienwanderungen im tschechischen Riesengebirge, Skifreizeiten im polnischen Iser-/Riesengebirge, Jugendaustausch mit polnischen und ukrainischen Projektteilnehmer*innen oder auch die zweijährlich stattfindende „Kinder miasto – unsere Stadt“, an deren Umsetzung der Verein stets umfangreich organisatorisch beteiligt ist, sind nur einige Beispiele für die Verortung in einem modernen Europa. Die Erkundung der Heimatregion bei Klettertouren im Zittauer Gebirge und in den Königshainer Bergen gehören zu ständigen Angeboten, die sowohl von den jungen Besuchern als auch von Familien nicht nur gern genutzt, sondern auch mitgestaltet werden.

Der Verein unterstützt zahlreiche öffentliche Veranstaltungen im Gemeinwesen durch Angebote für Kinder, Jugendliche und die ganze Familie. Durch das Einbeziehen von Jugendhausbesucher*innen, ehrenamtlich aktiven Jugendlichen oder von gemeinnützig Tätigen werden die jungen Menschen in die Lage versetzt, ihr Können im und für das Gemeinwesen einzusetzen und unter Beweis zu stellen. Ebenso ist der Verein Praktikumsstelle für Erzieher*innen, Schüler der Fachoberschule am BSZ Görlitz und Sozialarbeiter*innen in Ausbildung, um junge Fachkräfte für den Verbleib in ihrer Heimatregion zu begeistern. Zudem können junge straffällig gewordene Menschen gemeinnützige Arbeit ableisten. Sie werden von einer Fachkraft angeleitet. Der Anspruch des Trägers ist jedoch nicht nur die Wiedergutmachung, sondern auch das Wiedererlangen einer festen Tagesstruktur und der Gedanke von Integration in eine Gemeinschaft, die nicht allein auf Konsum oder konsumierender Ersatzhandlungen abzielt.

Wie in den ersten Jahren des Kinder- und Jugendhauses stehen seit Mitte 2015 wiederkehrende regelmäßige Wochenangebote auf dem Programm, um der schnelllebigen Zeit etwas Planbares entgegenzusetzen. Die vormals vorrangig expliziten Projekte werden nunmehr in den Ferienzeiten in Form von thematischen Jugendreisen angeboten, die z.B. Geschichtsbewusstsein, Verantwortung für demokratische Verhältnisse etc. fördern. Diese Reisen sollen nicht nur als Ferienangebot der Erholung dienen, sondern auch einem Thema folgen und bildend wirken. Oft sind Begegnungen so konzipiert, dass deutsche Teilnehmer*innen mit polnischen und ukrainischen Jugendlichen in Kontakt kommen. Über einen interkulturellen Austausch gelingt es den jungen Görlitzer*innen, sich in ihrer Heimat zu verorten und ein neues Heimatbewusstsein zu erlangen. Mit den genannten Angeboten will der Verein die Attraktivität der Region stärken.

Situation im Planungsraum Görlitz

Görlitz, als flächenmäßig größte Kommune mit der dichtesten Einwohnerzahl im Landkreis, verzeichnet prozentual die höchste Zahl an arbeitslosen Erwachsenen in ganz Sachsen, was bedeutet, dass eine große Anzahl von Kindern in prekären Verhältnissen leben. Die hohe Anzahl von Förderschülern und der geringere Anteil von Gymnasiasten könnte mit diesem Umstand korrelieren und der Stadt einen höheren Anteil von bildungsfernen Erwachsenen attestieren, als dies im Umland zu verzeichnen ist. Der Anteil von arbeits- und ausbildungslosen Heranwachsenden ist im Vergleich zu anderen Planungsräumen höher. Ebenso liegt die Anzahl der straffälligen Jugendlichen und Heranwachsenden in Görlitz über dem Durchschnitt des Landkreises1. Auch mit diesem Fakt könnte sich ein Zusammenhang mit dem Hilfebezug der Eltern herstellen lassen. Letztlich sind Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene in Görlitz von höherer sozialer Benachteiligung betroffen, als in anderen Städten Sachsens. Sie lernen frühzeitig Mangel an Bildung, Kultur, Vereinssport und materiellen Ressourcen kennen. In der Stadt gibt es deshalb verschiedene Träger, die sich neben der offenen präventiven Arbeit verstärkt der Elternbildung widmen. Zu diesen Vereinen bestehen Kontakte, um Kindern einen Übergang in das Jugendhaus zu ermöglichen, aber auch, um jüngere Geschwisterkinder unserer Besucher*innen in die Angebote zu vermitteln.

Neben der dreißigjährigen präventiven offenen Jugendarbeit ist in den letzten fünf Jahren mit der Familienbildung ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich entstanden. Dabei zielt unsere pädagogische Arbeit darauf, Erziehende bei der Wahrnehmung u. Bewältigung ihrer familiären Aufgaben zu fördern und zu unterstützen. Dies erfolgt durch individuelle Beratung im Familien- Cafè, bei konkreten Gesprächen mit Eltern im geschützten Rahmen und durch niederschwellige Angebote, wie den Familienfreizeiten. Unsere familienbildenden Angebote werden über Netzwerke der hiesigen Familienbildung im Jugendamt, über soziale Medien bzw. persönliche Kontakte unter den Familien verbreitet.

Die mobile Jugendarbeit ist auf Görlitzer Plätzen unterwegs, um Jugendlichen Anlaufstellen und Hilfeangebote zu vermitteln. Schulverweigererprojekte in Görlitz ermöglichen Kindern und Jugendlichen einen (Wieder)Einstieg in Schule und Ausbildung. Dort erhalten auch Jugendliche, die eine oder mehrere Lehrstellen abgebrochen haben, eine weitere Chance, um Grundlagen für eine berufliche Ausbildung zu erhalten.

Bei allen unseren Angeboten ist ein wachsender Bedarf an Unterstützungsleistungen zu erkennen, da viele junge Menschen und deren Familien multiplen Belastungssituationen ausgesetzt sind. Eine Unterstützung kann dabei durch einen ressourcenorientierten Ansatz gelingen.

Unser Verein sieht die Belebung des Viertels durch die Rabryka als Bereicherung und nicht als Konkurrenz. Die Zielgruppe des soziokulturellen Zentrums sind junge Erwachsene die größtenteils aus nicht bildungsfernen Milieus stammen.Der Aufbau des Soziokulturellen Zentrums belebt nicht nur die Görlitzer Sozialkulturelle Landschaft, sondern bedeutet auch eine Bereicherung für den Landkreis.

Die neuen Zuzugssituationen seit 2015 durch hauptsächlich arabische, afghanische und ukrainische Familien, nicht zu vergessen durch die vielen neuen polnischen Familien, ergeben eine neue Ausgangssituation auch für die offene Kinder- und Jugendarbeit. Neue Sprachen, Kulturen und Hintergründe für den Wegzug aus ihrer Heimat ergeben komplexe Anforderungen an die Vereine und das Personal. Dadurch werden Angebote vielfältiger und reger besucht. Sie werden auch spezifischer, um z.B. Kinder mit Kriegstraumata zu begleiten. Es entstehen Integrationsprojekte, Nachhilfen mit Schwerpunkten in Deutsch und spezifische Unterstützungen für Eltern, deren Muttersprache nicht deutsch ist.

  1. vgl. https://www.kreis-goerlitz.de/city_info/display/dokument/show.cfm?region_id=349&id=424618 S.41 (24.01.2024)1 ↩︎